Festplatten sicher löschen

In dieser Übersicht werden etablierte kostenlose Programme vorgestellt, mit deren Hilfe sich Festplatten durch ein- oder mehrmaliges Überschreiben sicher löschen lassen.

Gerade wer Festplatten, ganze PCs oder Notebooks an Dritte weitergeben möchte, sollte die Festplatte zumindest einmal vollständig überschreiben und somit seine Daten unwiderruflich löschen. Denn eine Wiederherstellfunktion von vermeintlich gelöschten Dateien gehört mittlerweile zu den Grundfunktionen zahlreicher Tools und es müssen nicht immer vertrauliche Informationen sein, die ein endgültiges Löschen empfehlenswert macht. Gespeicherte E-Mails, Zugangsdaten oder private Fotos sollten den Besitzer mit dem Verkauf der Festplatte besser nicht wechseln.

Die Gefahr von Wiederherstellungsversuchen (z.B. nach einem Verkauf eines Notebooks oder einer Festplatte) darf nicht unterschätzt werden, schließlich berichten Medien immer wieder von spektakulären Datenfunden – was wiederum den einen oder anderen neugierigen Menschen befeuern könnte, die gebrauchte Festplatte mit ein paar Mausklicks auf Datenrückstände zu untersuchen.

Aber keine Panik(mache), das sichere Löschen einer Festplatte ist kein Hexenwerk. Im Laufe der Zeit haben sich Festplattentechnik und Betriebssysteme weiterentwickelt, wohingegen sich Meinungen zum sicheren Löschen gerne über Jahre halten und auch teilweise falsch oder unvollständig wiedergegeben werden. Daher ist es nur verständlich, dass man als Anwender unter Umständen verunsichert ist.

An dieser Stelle einige bekannte Löschwerkzeuge und Empfehlungen. Anleitungen zu den Programmen sind im Artikel verlinkt. Im Anschluss daran noch ein paar weiterführende Informationen, die man aber nicht gelesen haben muss.

DBAN

Betriebssystemunabhängig ganze Festplatten oder Partitionen sicher löschen.

Löschen einer Festplatte mit DBAN

DBAN (Darik’s Boot and Nuke) ist das kostenfreie Löschwerkzeug schlechthin, aber nicht unbedingt für jeden Zweck erste Wahl. Das auf Linux basierte Programm setzt ein Bootmedium (CD, USB-Stick oder Diskette) voraus. Anschließend lässt sich der Computer von diesem Bootmedium starten. DBAN bietet einige Einstellmöglichkeiten sowie einen Automatikmodus.

Eigenschaften von DBAN

  • Festplatten vollständig löschen (inklusive Betriebssystem)
  • einzelne Partitionen überschreiben (auf manchen Systemen kann es vorkommen, dass Partitionen von DBAN nicht separat angezeigt werden)
  • lunux-basiert, daher lauffähig ohne Windows
  • eher für erfahrenere Anwender geeignet
  • nur in englischer Sprache erhältlich

Empfehlung: Löschen von ganzen Festplatten inklusive aller Partitionen.
DBAN-Anleitung | DBAN Homepage

WipeDisk

Unter Windows ganze Festplatten oder Partitionen sicher löschen.

Löschen einer Festplatte mit WipeDisk

WipeDisk ist ein sehr praktisches Löschwerkzeug. Im Gegensatz zu DBAN läuft es direkt unter Windows und benötigt auch keine Installation (portable).

Eigenschaften von WipeDisk

  • Festplatten und Partitionen direkt unter Windows löschen
  • das aktive Betriebssystem (meist Laufwerk C) bzw. dessen Partition kann nicht gelöscht werden, da WipeDisk Windows zum Ausführen benötigt
  • in deutscher Sprache erhältlich

Empfehlung: Löschen von Festplatten oder Partitionen bequem unter Windows. Auch ideal zum Löschen von externen Festplatten.
WipeDisk-Anleitung | WipeDisk-Homepage

Eraser

Sicheres Löschen von Dateien oder des freien Festplattenspeichers unter Windows-Betriebssystemen.

Eraser: Löschwerkzeug für Windows

Eigenschaften von Eraser

  • Installation unter Windows notwendig
  • Überschreiben des freien Festplattenspeichers
  • Überschreiben von Partitionen
  • Überschreiben von ganzen Festplatten (inkl. Partitionen) nicht möglich
  • gezieltes Löschen/Überschreiben von einzelnen Dateien
  • nur in englischer Sprache verfügbar

Empfehlung: Löschen des freien Festplattenspeichers oder einzelner Dateien unter Windows.
Eraser-Anleitung | Eraser-Homepage

Formatieren

Formatieren ist per Definition grundsätzlich keine sichere Löschmethode. Es hängt jedoch vom Betriebssystem ab, ob neben dem Formatiervorgang auch ein Überschreiben und damit ein sicheres Löschen stattfindet. Was viele nicht wissen: Unter Windows 7 und Vista kann schon ein normaler Formatiervorgang eine Datenrekonstruktion verhindern.

Die Normalformatierung (nicht die Schnellformatierung) überschreibt unter Windows Vista und Windows 7 die entsprechende Partition 1x mit Nullen. Unter Windows XP oder früheren Betriebssystemen ist dies nicht der Fall.

In den meisten Fällen wäre es bereits ausreichend, einfach die Partition direkt unter Windows Vista/7 über den Arbeitsplatz (Computer) oder über die Datenträgerverwaltung (Computerverwaltung) einer Normalformatierung zu unterziehen. Um eine aktive Windows-Installation zu löschen könnte man auch über die Betriebssystem-CD booten und damit die Partition(en) formatieren. Eine Festplatte kann also (abhängig vom Betriebssystem) durchaus „sicher“ formatiert werden.

Nach dem Löschen

Nach dem vollständigen Löschen einer Festplatte (wie es beispielsweise mit DBAN oder WipeDisk möglich ist) weist die Festplatte weder Partitionen noch Dateisysteme auf. Sie wird daher vom Betriebssystem wie eine neue Festplatte behandelt. Es lässt sich problemlos ein neues Betriebssystem installieren, da Windows während des Installationsvorgangs die leere Festplatte erkennt und fragt, ob es eine Partition mit einem Dateisystem erstellen soll. Möchte man hingegen eine gelöschte Festplatte als Zweitfestplatte bzw. externe Festplatte weiter nutzen, kann es sein, dass Windows die Festplatte nicht auf dem Arbeitsplatz bzw. unter „Computer“ anzeigt. In diesem Fall hilft ein Blick in die Datenträgerverwaltung (Rechtsklick auf Arbeitsplatz oder Computer und die Verwaltung aufrufen, anschließend auf Datenträgerverwaltung). Hier sollte die Festplatte aufgeführt sein, eventuell fragt auch Windows, ob der Datenträger initialisiert werden soll (mit Ja bestätigen). In der Datenträgerverwaltung lässt sich nun die gelöschte Festplatte partitionieren und formatieren. Anschließend kann die Festplatte wie gewohnt verwendet werden.

Häufig gestellte Fragen

Wie oft müssen Daten überschrieben werden?
Es genügt, die Festplatte 1x vollständig mit Nullen zu überschreiben1. Das ist das Ergebnis einer im Jahr 2008 vorgestellten wissenschaftlichen Untersuchung, bei der Festplatten nach einmaligem Überschreiben mit einem Magnetkraftmikroskop auf Datenrückstände untersucht wurden. Natürlich kann man Studien und Aussagen von Datenrettungsunternehmen auch anzweifeln, schließlich empfehlen Spezialisten über viele Jahre hinweg das mehrfache Überschreiben von Festplatten. Institutionen und Regierungseinrichtungen schreiben oft ein x-maliges Überschreiben oder gar das Schreddern von ausgedienten Festplatten vor und man könnte sich fragen, warum das so ist. Bevor man sich darüber den Kopf zerbricht, kann man für ein besseres Gefühl auch 2 oder 3 Löschdurchgänge anwenden. Unbedingt Abstand nehmen sollte man jedoch von der veralteten Gutmann-Methode (35 Überschreibvorgänge). Auch muss beachtet werden, dass mehrere Löschdurchgänge sehr viel Zeit in Anspruch nehmen kann (zum Teil mehrere Tage) und die Festplatte hierbei stark belastet wird und sich bei unzureichender Kühlung über ein gesundes Maß erhitzen kann.

Wie unterscheidet sich die Normal- von der Schnellformatierung?
Windows-Betriebssysteme bieten eine Normal- als auch eine Schnellformatierung an. Auch die zeitintensive Normalformatierung löscht Daten unter den älteren Windows-Betriebssystemen (9x, Me, 2000, XP) nicht sicher. Diese Option unterscheidet sich dahingehend von der Schnellformatierung, als dass es den Datenträger auf fehlerhafte Sektoren untersucht. Windows Vista und Windows 7 hingegen überschreiben bei Verwendung der Normalformatierung den Datenträger mit Nullen2, was nach derzeitigem Kenntnisstand bereits eine Wiederherstellung unmöglich macht. Dennoch liest man in vielen Anleitungen Gegenteiliges. Das kann daran liegen, dass die entsprechenden Anleitungen vor dem Erscheinen von Windows Vista geschrieben und seither nicht mehr aktualisiert wurden. Auf der anderen Seite findet man aber auch kaum Informationen über diese Neuerung. Grundsätzlich ist es ratsam, ein spezielles Löschprogramm für Festplatten bzw. andere Datenträger zu verwenden, wenngleich dies unter Windows Vista/7 nicht mehr unbedingt notwendig erscheint.

Ist ein 100% sicheres Löschen überhaupt möglich?
Eine Festplatte ist in viele Sektoren unterteilt. Im Laufe der Zeit können einzelne Sektoren beschädigt werden – moderne Festplatten markieren diese als defekt und verwenden stattdessen Ersatzsektoren. Die als defekt gekennzeichneten Sektoren können jedoch noch Informationen enthalten. Soweit bekannt, können diese vom Festplatten-Kontroller ausgeblendeten Sektoren weder mit Software-Tools gelöscht noch ausgelesen werden. Unter Laborbedingungen könnte nun aber versucht werden, Informationen defekter Sektoren zu rekonstruieren. Wer mit höchst vertraulichen Daten hantiert und entsprechend aufwendige als auch wenig erfolgversprechende Datenwiederherstellungs-Versuche für möglich hält, sollte eine physische Zerstörung des Datenträgers in Betracht ziehen.


  1. heise Security: Sicheres Löschen: Einmal überschreiben genügt, (16.01.2009) []
  2. Microsoft: Change in the behavior of the format command in Windows Vista, Article ID: 941961 Revision: 2.1 (23.02.2009) []
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5 Kommentare

Antworten Klaus

Warum sollte ma ndie Gutmann-Methode nicht mehr anwenden?

Antworten tom

vermutlich, weil der Zeit-Nutzen-Faktor einfach unverhältnismäßig im Vergleich zu den anderen Standards ist

Antworten Tobias

@Klaus Mehrere Löschdurchgänge beansprucht viel Zeit.(zum Teil mehrere Tage) und die Festplatte hierbei stark belastet wird und sich bei unzureichender Kühlung über ein gesundes Maß erhitzen kann!!!

Antworten Günter

Frage zum sicheren Löschen alter 3,5″ floppy disks mit externem USB-Floppy-Disk-Laufwerk (A:\) an Windows-PC (mit Windows 10 oder Windows 7):
Ich besitze noch eine Anzahl alter 3,5″ floppy disks und verfüge über ein externes USB-Floppy-Disk-Laufwerk (A:\). Letzteres wird mit Windows-Explorer unter „Dieser PC“ als Laufwerk A:\ angezeigt und erkannt, jedoch können eingelegte floppy disks weder erkannt, gelesen oder formatiert werden.
DBAN ist mir bekannt und ich habe es bereits mehrfach zum sicheren Löschen von internen Festplatten verwendet.
Ist es mit diesem Programm möglich und wie wird es in diesem Fall ausgeführt?
Wie sieht es mit den beschriebenen Alternativen WIPE DISK oder ERASER aus?
Gibt es hierzu Anleitungen oder Erfahrungen?
Ich möchte die alten 3,5″ floppy disks ggf. neu formatiert anders verwenden oder sicher gelöscht entsorgen können.
Vielen Dank für Hinweise zu diesen Fragen,
beste Grüße, Günter.

Antworten Stephan

Hallo Günter,
zum sicheren Löschen von Disketten kann ich leider keine genaue Auskunft geben. Wie auch bei Festplatten muss die Diskette komplett mit Daten beschrieben werden. Hier würde ich eine Löschmethode mit mehreren Durchgängen wählen, aber wie schon gesagt, ich kenne hierzu keine Untersuchungen, wie zuverlässig alle Bereiche überschrieben werden. Aus eigener Erfahrung weiß ich, dass ich mit diverser Software nach wenigen Überschreibvorgängen keine Daten mehr wiederherstellen konnte – das liegt aber viele Jahre zurück.
Aber in deiner Frage ging es ja auch nicht um die Überschreibvorgänge, du kennst dich ja mit dem Prinzip aus und hast Erfahrungen mit DBAN. Dein Problem ist wohl eher technischer Natur, da du auf die Disketten nicht zugreifen kannst. Versucht dein Laufwerk, die Disketten zu lesen? Normalerweise hört man ja die Zugriffsversuche deutlich. Hier müsste zuerst das Laufwerk als Fehlerquelle ausgeschlossen werden, indem du irgendeine Diskette zumindest lesen kannst. Vielleicht wird auch im Gerätemanager ein Fehler angezeigt, der dir weiterhelfen könnte. So kann das Laufwerk defekt sein, ein Treiberproblem vorliegen oder die Disketten sind allesamt defekt. Ich würde auch mal im Netz suchen, ob es für dein USB-Laufwerk einen speziellen Treiber für dein Betriebssystem gibt.
Ich würde zuerst die Diskette mit Windows formatieren und anschließend mit Eraser mehrfach überschreiben – so habe ich es damals immer gemacht. Das geht via Rechtsklick auf das Diskettenlaufwerk -> Eraser -> Erase. Dann solltest du die Löschmethode auswählen können. Allerdings hilft dir das auch nicht weiter, da es ja schon beim Lesevorgang scheitert. WipeDisk gefällt mir von der Bedienung her übrigens deutlich besser als Eraser, allerdings weiß ich nicht, ob es auch Diskettenlaufwerke unterstützt. Auch mit DBAN habe ich diesbezüglich keine Erfahrung, gehe aber stark davon aus, dass auch Disketten gelöscht werden können. Mir wäre der Aufwand dies herauszufinden allerdings zu groß. Externe Laufwerke bzw. Disketten kann man bequem unter Windows löschen.

Wirklich weiterhelfen kann ich dir also nicht. Vielleicht hat ein anderer Leser noch einen heißen Tipp. Meinen Disketten ging es schon vor Jahren durch Zerstören der inneren Plastikscheibe an den Kragen.
Beste Grüße und viel Erfolg
Stephan

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