Eraser Anleitung

Mit dem kostenlosen Löschprogramm Eraser lassen sich gezielt Dateien und freier Festplattenspeicherplatz unter Windows sicher löschen. Auch das sichere Überschreiben bestehender Festplattenpartitionen ist möglich. Neben dem direkten Löschen können auch Löschaufträge und Zeitpläne erstellt werden. Das quelloffene (Open Source) Eraser gehört zu den beliebtesten und bekanntesten Löschprogrammen. Für das Löschen von SSDs (Solid-State-Drives) ist Eraser nicht geeignet.

Eraser wurde Ende der 1990er von dem finnischen Studenten Sami Tolvanen programmiert und bis zur Version 5 weiterentwickelt. Im Jahr 2002 wurde das Projekt von Garrett Trant von Heidi Computers übernommen und bis heute fortgeführt. Zwischenzeitlich war Eraser auch als „Heidi Eraser“ bekannt. Mit Version 5.8.8 erfolgte Ende 2009 die letzte Veröffentlichung des ursprünglichen Programms. Heidi Computers entwickelte ab 2007 das Programm von Grund auf neu und veröffentlichte schließlich ebenfalls Ende 2009 Version 6.

Aus dem millionenfach bewährten Eraser wurde mit Version 6 ein von vielen Anwendern als umständlich empfundenes Programm geschaffen. Löschbefehle via Kontextmenü werden ohne Nachfrage als neue Aufgabe im Hintergrund ausgeführt. Über den Löschfortschritt und etwaige Fehler informiert ein für wenig Sekunden erscheinendes Hinweisfenster im Infobereich des Desktops. Nicht selten muss der Anwender Eraser öffnen und kontrollieren, ob der Löschauftrag ohne Fehler ausgeführt werden konnte.

Eraser 6 bietet unter anderem mehr Löschstandards, woraus sich jedoch für private Anwender keine Vorteile ergeben. Auch wurde die Möglichkeit einer glaubhaften Abstreitbarkeit (plausible deniability) geschaffen, in dem überschriebene und somit mit Löschmustern unkenntlich gemachte Festplattenbereiche mit „Alibi-Dateien“ beschrieben werden können. Bei dem Versuch einer Datenrekonstruktion würden die gelöschten Festplattenbereiche nicht aus unbrauchbaren Löschmustern bestehen, sondern aus zuvor gewählte Daten, die der „Suchende“ vorfinden soll (in sehr speziellen Szenarien eine Option, nicht aber für den deutschen Anwender, der seine Festplatte verkaufen möchte). Noch immer fehlt in der finalen Version von Eraser 6 die Option Secure Move (das sichere Verschieben von Dateien auf andere Datenträger). Ferner benötigt Eraser 6 ein installiertes Framework 3.5. Mit Eraser 6 lassen sich vom Dateisystem (NTFS) komprimierte oder verschlüsselte Dateien aus gutem Grund noch nicht löschen.

Eraser 5 oder Eraser 6: Eraser 6 ist Geschmackssache und es ist schön, dass das Programm kontinuierlich weiterentwickelt wird, aber Version 5 erfüllt seinen Zweck für viele Anwender eleganter (auch unter Windows 7 32/64-Bit). Die folgende Anleitung bezieht sich auf die aktuelle Version von Eraser. Einen kurzen Überblick zur Version 5 ist auf Seite 2 zu finden.

Screenshots Eraser v6

Eraser: 6 Optionen Eraser 6: Löschvorgang Eraser 6

Screenshots Eraser v5

Eraser 5 Eraser 5 Optionen Eraser 5: Löschen bestätigen

Eraser Download

Download Eraser v6

Download Eraser v5.8.8 (letzte Version des ursprünglichen Programms)

Download Eraser v5.8.8 Portable (keine Installation notwendig)

Seite des Herstellers

Funktionsweise von Eraser

Wie andere Löschprogramme auch, überschreibt Eraser den nach dem Löschen einer Datei frei gewordenen Bereich einer Festplatte mit neuen Daten. Je nach gewählter Löschmethode findet die Überschreibung mit einem festgelegten Wert (z. B. nur Nullen), einem speziellen Muster oder einem zufälligen Muster statt. Durch das Überschreiben wird die Möglichkeit einer Rekonstruktion der ursprünglichen Daten verhindert. Beim gezielten Löschen von Dateien muss jedoch berücksichtigt werden, dass sich noch Kopien dieser Datei irgendwo auf der Festplatte befinden können.

Eraser Anleitung

Nach der Installation sollte zuerst eine sinnvolle Löschmethode gewählt werden. Für das Löschen/Überschreiben von Dateien ist standardmäßig die längst veraltete Gutmann-Methode eingestellt, welche die zu löschenden Daten 35x überschreibt. Mit der Löschmethode „Pseudorandom Data 1 pass“ (einmaliges Überschreiben mit Zufallszahlen) ist man besser beraten. Wer Dateien mehrfach überschreiben möchte, kann auch eine andere Löschmethode wählen (mehr als 3 Durchgänge würde ich aber nicht empfehlen). Um den Artikel übersichtlicher zu halten, sind die möglichen Löschmethoden am Ende des Artikels aufgelistet.

Einstellung der Löschmethode vornehmen

Unter „Settings“ können die Standardlöschmethoden für das Löschen von Dateien (Default file erasure method) und für das Löschen des freien Festplattenspeichers (Default unused space erasure method) gewählt werden. Empfehlung für beide: Pseudorandom Data (1 pass).

Einstellungen vornehmen

Dateien mit Eraser löschen

Vorab noch einmal der Hinweis, dass sich Dateien trotz gezieltem Löschen/Überschreiben weiterhin auf der Festplatte befinden können (z. B. als temporäre Datei).

Hinweis: Das NTFS-Dateisystem bietet die Möglichkeit der Dateikompression als auch Verschlüsselung (zu finden unter Windows als „Inhalt komprimieren, um Speicherplatz zu sparen“ in den Dateieigenschaften). Solche vom Dateisystem komprimierte oder verschlüsselte Dateien lassen sich mit Eraser Version 6 nicht löschen. Mit Version 5 ist ein Löschen zwar möglich, aber es besteht die Gefahr einer Beschädigung des Dateisystems. Deshalb wurde diese Option in Version 6 (noch) nicht implementiert. Wer die Komprimierung auf Dateisystemebene nutzt und diese Dateien sicher löschen möchte, sollte daher zuerst die Komprimierung deaktivieren, anschließend die betreffenden Dateien löschen und zusätzlich noch den freien Speicher löschen. Mit den bekannten Kompressionsverfahren (ZIP, RAR, etc.) hat das nichts zu tun. Diese Dateien können ohne Probleme sicher gelöscht werden.

Dateien über das Kontextmenü löschen

Löschen über das KontextmenüNach einem Rechtsklick auf die zu löschende Datei erscheint im Kontextmenü der Eintrag „Erase“. Die Dateien werden ohne Sicherheitsabfrage direkt gelöscht. Eine Benachrichtigung im Infobereich informiert kurz über den laufenden Löschvorgang und über den erfolgreichen Abschluss des Löschvorgangs.

Status des LöschvorgangsWährend des Löschvorgangs kann der Fortschritt unter „Erase Schedule“ eingesehen werden. Dieser Eintrag im Scheduler (Planer) wird bei erfolgreichem Abschluss gelöscht. Über die Option „Automatically remove tasks which run immediately and completed successfully“ kann dies geändert werden. Durch einen Rechtsklick auf den Eintrag im Scheduler kann die Logdatei aufgerufen werden (sofern Fehler aufgetreten sind, würden diese hier ohnehin angezeigt werden).

Freien Festplattenplatz löschen

Mit der Funktion „Erase unused space“ überschreibt Eraser den freien Festplattenplatz einer Festplatte bzw. Partition. Dadurch kann verhindert werden, dass zuvor „unsicher“ gelöschte Dateien wiederhergestellt werden könnten. Diese Funktion macht also in erster Linie Sinn, wenn man nicht die ganze Festplatte oder Partition löschen möchte (ansonsten sind WipeDisk oder DBAN besser geeignet). Durch „Erase unused space“ werden keine Dateien gelöscht oder gar das Betriebssystem beschädigt, es werden nur die ohnehin als frei markierte Festplattenbereiche überschrieben.

Dieser Vorgang kann je nach freier Kapazität der Partition und der gewählten Löschmethode sehr lange dauern. Die Festplatte wird dabei stark beansprucht und es ist empfehlenswert, während des Ausführens dieser Funktion die Festplatte nicht mit anderen Aktionen zu belasten.

Freien Speicher löschenDer Eintrag „Erase unused space“ erscheint im Kontextmenü, sobald ein Datenträger via Rechtsklick unter „Computer“ bzw. „Arbeitsplatz“ ausgewählt wurde. Die restliche Handhabung gleicht dem Vorgang, der im vorherigen Abschnitt „Dateien löschen“ beschrieben wurde.

Eraser 6 benötigt für diese Funktion Administratorrechte und es erscheint unter Umständen eine Windows-Warnmeldung vor Ausführen des Befehls. Sofern der Vorgang nicht ausgeführt werden kann (Fehlermeldung: „.. has completed with errors“), hilft ein Blick in die Logdatei. Steht dort: „The program does not have the required permissions to erase the unused space on disk. Run the program as an administrator and retry the operation.”, muss Eraser zuerst Eraser beendenbeendet werden (Rechtsklick auf das rote Icon im Infobereich und „Exit Eraser“ wählen). Anschließend Eraser als Administrator ausführen (Rechtsklick auf die Eraser-Verknüpfung und „Als Administrator ausführen“ wählen). Das Überschreiben des freien Festplattenplatzes sollte jetzt wie oben beschrieben funktionieren.

Windows-Papierkorb

Inhalt des Windows-Papierkorbs sicher löschenAuch der Inhalt des Windows-Papierkorbs kann sicher gelöscht werden. Hierzu genügt ein Rechtsklick auf den Papierkorb und anschließend unter „Eraser“ auf „Erase“. „Erase on Restart“ würde den Papierkorb beim nächsten Systemneustart löschen. Möchte man den Papierkorb oder andere Dateien regelmäßig löschen, kann hierzu ein Zeitplan erstellt werden (siehe nächster Abschnitt).

Löschaufträge planen

Neben dem unmittelbaren Löschen via Kontextmenü bietet Eraser auch die Möglichkeit des Löschens von Dateien und Verzeichnissen oder des freien Festplattenplatzes in bestimmten Zeitabständen. Übertriebene Löschpläne (z. B. häufiges Überschreiben des freien Speichers) sind oft kontraproduktiv, da hierbei die Festplatte stark ausgelastet wird und sowohl das Arbeiten am Computer als auch die Lebensdauer der Festplatte beeinträchtigt werden können. Leider unterstützt Eraser nicht das Löschen von Dateien, die älter als x Tage sind.

Neuer LöschauftragEin neuer Löschauftrag (New Task) kann via Tastenkombination STRG+N oder über den kleinen Pfeil neben „Erasse Schedule“ geöffnet werden.

Dateien zum Löschen auswählenÜber „Add Data“ kann gewählt werden, welche Dateien (File) oder Verzeichnisse (Folder) gelöscht werden sollen. Auch kann hier die Auswahl für das Löschen des Papierkorbs (Recycle Bin) oder des freien Festplattenplatzes (Unused disk space) erfolgen. Bei Letzterem darauf achten, dass „Erase cluster tips“ aktiviert ist.

OptionenAls nächstes kann eingestellt werden, ob der Löschplan manuell ausgeführt werden soll (Run manually), sofort (Run immediately), nach jedem Neustart des Rechners (Run on restart) oder sich wiederholend in bestimmten Zeitabständen (Recurring).

Zeitplan erstellenSobald „Recurring“ eingestellt ist, kann der Zeitplan unter „Schedule“ erstellt werden. Unter „Run this task at“ kann die Uhrzeit angegeben werden. Schließlich erfolgt noch die Angabe, an welchen Tagen der Löschauftrag ausgeführt werden soll. Alle x Tage (Every x days), an Wochentagen (Everey weekday), an bestimmten Tagen in wöchentlichem Abstand (Weekly) oder an einem Tag eines Monats (Monthly).

Löschaufträge

Via Rechtsklick auf einen Löschauftrag kann die Logdatei aufgerufen werden "View Task Log".

Sollte der Computer zum Zeitpunkt eines anstehenden Löschauftrags ausgeschaltet oder Eraser nicht aktiv sein, kann in den Grundeinstellungen (Settings) bei Bedarf das Verhalten angepasst werden.

Die verpasste Aufgabe ausführen, sobald der Rechner bzw. Eraser gestartet wird (Standard) (execute the task when Eraser next starts).

Die verpasste Aufgabe ignorieren und (sofern es sich um eine wiederholende Aufgabe handelt) zum nächsten geplanten Zeitpunkt ausführen (ignore the missed schedule and run only at the next appointed time).

Löschmethoden

Die Löschmethode „Only first and last 16kb“ sollte nicht gewählt werden, da hierbei kein vollständiges Überschreiben stattfindet. Hierbei würden gelöschte Dateien lediglich beschädigt werden. Auch von der Gutmann-Methode ist abzuraten. Zum einen ist sie veraltet, zum anderen sind 35 Löschdurchgänge unnötig und extrem zeitaufwendig.

Pseudorandom Data (1)
British HMG IS5 (Baseline) (1)
Russian GOST P50739-95 (2)
British HMG IS5 (Enhanced) (3)
US Army AR380-19 (3)
US Department of Defense DoD 5220.22-M (E) (3)
US Air Force 5020 (3)
US Department of Defense DoD 5220.22-M(ECE) (7)
Canadian RCMP TSSIT OPS-II (7)
German VSITR (7)
Schneier’s 7 pass (7)
Gutmann (35)
Only first and last 16KB (1)

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1 Kommentar

Antworten Ich

Vielen Dank für den Tipp mit den Adminrechten.
Ich habe überhaupt nicht daran gedacht, dass Programm auch minimiert zu schließen, bevor ich es erneut mit Adminrechten ausführe.

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