ePost Reloaded: 2x lebenslänglich mit epost.de

Einige werden sich noch erinnern: Im Jahr 2000 startete die Deutsche Post AG ihren E-Mail-Dienst ePost und warb eifrig um Kundschaft. Jeder sollte von der kostenlosen E-Mail-Adresse @epost.de profitieren. So ließ es sich der Konzern in seinen Werbekampagnen nicht nehmen, auf die vermeintlich lebenslange Gültigkeit dieser E-Mail-Adressen hinzuweisen. Dies machte durchaus Sinn, waren doch E-Mail-Adresse wie @t-online.de zur damaligen Zeit an den Internetprovider gebunden und bei den üblichen Freemailern (gmx.de, web.de) konnte man nicht sicher sein, ob diese auch noch in zehn Jahren existieren würden. Daher kam vielen die „erwachsene E-Mail-Adresse“ der Deutschen Post gerade recht. Es schien alles so einfach – wären da nicht die mit einem solchen Dienst verbundenen schwierigen Finanzierungsmöglichkeiten gewesen – und so kam es, wie es niemals hätte kommen dürfen: Der Dienst wurde endgültig eingestellt, die lebenslang gültigen @epost-E-Mail-Adressen wurden gelöscht.

epost.de Dienstschluss

10 Jahre später – Der E-Postbrief kommt

Mit der Einführug des umstrittenen De-Mail-Dienstes bieten sich den großen Freemail-Anbietern neue Wege, um zusäztlich Einnahmen zu generieren. Die erfolgreichen – allen voran United Internet (gmx.de, web.de) bieten daher bereits seit dem 06.07.2010 eine Vorabregistrierung entsprechender @gmx.de-mail.de bzw. @web.de-mail.de Adressen an.

Wie schon seit einiger Zeit bekannt, steigt auch die Deutsche Post in das E-Mail-Geschäft ein. Das Angebot steht in direkter Konkurrenz zur De-Mail. Der E-Postbrief soll eine sichere, vor allem aber eine nachweisbare Kommunikation zwischen E-Postbrief-Teilnehmern ermöglichen. Sofern gewünscht bzw. die E-Postbriefadresse eines Empfängers nicht bekannt ist oder nicht existiert, kann eine E-Mail auch per Ausdruck durch die Deutsche Post zugestellt werden. Die postalische Zustellung einer solchen Hybridmail (inkl. Ausdruck, Kuvert und Porto) kostet gleichviel wie das Porto für eine gewöhnliche Briefsendung (55 Cent), Einschreiben können optional hinzugebucht werden (siehe Preisübersicht). United Internet (gmx.de, web.de) bieten eine postalische Zustellung bereits für 54 Cent.

ePost.de RegistrierungMan hätte dem Dienst viele Namen geben können und es erstaunt immer wieder, wie viel Geld manche Firmen für eine Namensfindung bereit sind auszugeben. Immerhin möchten Konzerne, dass man den neuen Namen mit positiven Eigenschaften verbindet, er sich leicht einprägen lässt und als wohlklingend empfunden wird. Hierfür werden nicht selten Namensexperten engagiert, die genau das sicherstellen sollen. Wie man im Fall der Deutschen Post aber auch nur in Erwägung ziehen konnte, ausgerechnet das derart verbrannte ePost wiederzubeleben, erscheint nun wirklich alles andere als nachvollziehbar. Die Deutsche Post spricht derzeit nur von einer Kommunikation via Epostbrief – das Versenden/Empfangen regulärer und somit kostenfreier E-Mails wird nicht über epost.de angeboten. Dennoch werden bei der Vorregistrierung nicht etwa @ebrief.de-Adressen vergeben, sondern ausgerechnet die vor Jahren gelöschten @epost.de-Adressen.

Nicht nur, dass @epost.de entgegen allen Versprechen KEINE lebenslange E-Mail-Adresse bot – jetzt lassen sich eben jene Adressen sichern, die bereits vor 6-10 Jahren unter dem Versprechen der lebenslangen Gültigkeit vergeben wurden.

De-Mail und E-Postbrief, ob sinnvoll oder nicht – die Wiederauferstehung eines so unrühmlich begrabenen Dienstes wie epost.de musste an dieser Stelle kritisiert werden.

Auf die nächsten 5 Jahre epost.de..

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4 Kommentare

Antworten ePOSTler

Ich habe bei ePOST in den letzten Jahren als der Dienst noch existierte gearbeitet und war stark verwundert das die Domain und ein Email Dienst unter dem Namen nochmal an den wiederbelebt werden. Aber bei der Post wird ja derzeit so einiges verwundliches im Internet Bereich gestartet. Z.B. ein Branchenbuch unter http://www.alles-nebenan.de … Also Jahre nachdem Gelbe Seiten, GoYellow und ähnliche ins Internet vorgestossen sind, glaubt die Post jetzt noch ein kostenpflichtiges (Basiseintrag kostenlos) Branchenbuch etablieren zu wollen. Hallte ich für fast für aussichtslos sowas…auch mit dem Budget was die Post da raushauen kann.

Antworten Stephan

Danke für den Kommentar, ePOSTler.

Ich höre jetzt das erste Mal von allesnebenan.de. Sieht gar nicht mal schlecht aus, wobei ich auch nicht verstehen kann, wie man zu so einem frühen Zeitpunkt bereits eine Deadline (30.09.2010) für die Schaltung kostenloser Einträge setzen kann (der dauerhaft kostenlose Basiseintrag enthält nicht einmal Öffnungszeiten). Das Ganze befindet sich ja noch in einer Betaphase und beschränkt sich hauptsächlich auf das Pilotgebiet Köln/Bonn. Ich kenne die Konditionen der anderen Anbieter nicht, aber für das Veröffentlichen von Öffnungszeiten (u.a.) knapp 240 € im Jahr verlangen zu wollen (Mindestlaufzeit 1 Jahr. Wird nicht rechtzeitig gekündigt, verlängert sich der Spaß um ein weiteres Jahr) hört sich heftig an. Der Pizzabäcker von nebenan wird sich eine Eintragung gründlich überlegen – besser frequentierte Alternativen gibt es ja reichlich. Wie man so Kunden gewinnen möchte, bleibt mir schleierhaft. Ohne möglichst viele Eintragungen ist das ganze Projekt uninteressant. Da sollte die Post tatsächlich nachbessern und erst mal über jeden dankbar sein, der sich überhaupt einträgt. Mit dem Geldverdienen sollte man sich noch ein paar Jahre Zeit lassen, bis sich auch dieser Dienst etabliert hat. Aber so, da gebe ich dir vollkommen recht, hat das kaum Aussicht auf Erfolg.

Antworten Bachsau

GMX und Web.de haben auch mal eine lebenslange E-Mail-Adresse versprochen. Im Unterschied zur Post haben die ihr Versprechen aber bislang gehalten. Ich denke es ist klar, wer von beiden „erwachsener“ ist.

Antworten Stephan

Ja, mit diesem Werbespruch von der „erwachsenen E-Mail-Adresse“ hat sich die Post keinen Gefallen getan. Selbst in der Leistungsbeschreibung wurde von „Die Adresse fürs Leben: [email protected]“ geworben.
An den Diensten von United Internet kann man viel kritisieren, aber immerhin existieren sie. In der Zwischenzeit war ich immer wieder mal bei anderen Anbietern (uni.de, oleco), welche aber alle nach wenigen Jahren eingestellt wurden. Jetzt sind mit posteo.de und mailbox.org immerhin zwei vielversprechende (kostenpflichtige) Anbieter am Markt.
Zumindest GMX entwickelt sich nicht weiter, sondern verkümmert immer mehr. Die E-Mail-Filter wurden gnadenlos kastriert und der Umgang mit Kunden ist aus meiner Sicht eine Katastrophe. So ist es beispielsweise schlicht nicht möglich, seine bei der Registrierung des De-Mail-Dienstes angegebene Kontakt-E-Mail-Adresse zu ändern (auch nicht auf explizite Anfrage).

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